Oberwischauer Zipser

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TAG DER HEIMAT 2012 Bund der Vertriebenen, KV Ingolstadt

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„Erbe erhalten – Zukunft gestalten“
Unter diesem Motto lud die Vereinigung der Landsmannschaften, der Bund der Vertriebenen, Kreisverband Ingolstadt unter dem mittlerweile langjährigen Vorsitz von Rosina Schiesser am 4. November 2012 zum diesjährigen „Tag der Heimat“.
Seit 62 Jahren organisieren die Vertriebenen und Spätaussiedler diesen Tag, um daran zu erinnern, dass sie durch Gewaltherrschaft und Terror ihrer ursprünglichen Heimat in den deutschsprachigen Ostgebieten beraubt wurden.
Ob Schlesier, Banater oder Sathmarer Schwaben, Deutsche aus Rußland, Oberwischauer, Siebenbürger Sachsen oder Karpatendeutsche – sie alle haben sich nach den Wirren des Zweiten Weltkrieges oder aber bis vor wenigen Jahren den Neuanfang in der Bundesrepublik wagen müssen bzw. angestrebt. Als Deutsche unter Deutschen wollten sie leben. Mit der „Charta der Menschenrechte“, die Vertreter der Landsmannschaften seinerzeit vor mehr als sechzig Jahren unterschrieben haben, erklärten die Vertriebenen, auf Rache zu verzichten und ihre Kraft zum Erhalt des Friedens einzusetzen.
Die Veranstaltung beginnt mit dem feierlichen Einzug der Fahnenabordnungen und wie jedes Jahr wurde nach dem offiziellen Teil, der aus begrüßenden Worten und Grußworte besteht, das Gedenken an unsere Verstorbene gehalten. Dekanin Schwarz für die evangelische und Prälat Klaus Schimöller als Vertreter der katholischen Kirche gestalteten diesen äußerst emotionalen Teil dieses Tages und fanden dabei würdige Worte.
Der Nachmittag war geprägt von den kulturellen Darbietungen der einzelnen Landsmannschaften. Die Kindergruppe der Heimatortsgemeinschaft Oberwischau zeigte, gemeinsam mit den banater-schwäbischen Kinder einen Reigen.
Außerdem las Krimhilde Toth das Gedicht „Fålt tir auch par amol ein?“ in oberwischauer-zipsericher Mundart vor. An der Reaktion der Zuhörer zeigte sich, dass sie sich mit den darin geschilderten Erfahrungen durchaus identifizieren können. Sie erntete entsprechenden Applaus.
Die siebenbürger Jugendbigband umrahmte das Programm mit ihrer flotten und gekonnt aufgespielten Musik.
Ein offizielles Gruppenfoto als Erinnerung an diesem Tag ist mittlerweile zur Tradition geworden und so stehen die Vorstandsmitglieder des BdV, Festredner, Vertreter aus Politik und Kultur, sowie geladene Ehrengäste und Leiter der Kulturgruppen für einige Augenblicke ganz dicht beieinander – symbolstark und als klares Signal von Zusammenhalt und –arbeit!
Beim „Auf Wiedersehen“ freut sich jeder auf die nächste gemeinsame Veranstaltung im November 2013!
Marianne Röhrig, November 2012

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T A G D E R H E I M A T 2 0 1 2 Bund der Vertriebenen, KV Ingolstadt
04.November 2012 Sportheim Zuchering
A n s p r a c h e i m R a h m e n d e r A n d a c h t

Sehr verehrte, liebe Frau Schiesser,
sehr geehrter Herr Dr.Löser, sehr geehrter Herr Neumeyer,
meine lieben Teilnehmer und Mitwirkende an diesem Tag der Heimat 2012,

° „Erbe erhalten – Zukunft gestalten“ – man kann kaum ein schöneres Leitwort für einen „Tag
der Heimat“ finden, als das, was Sie heuer über Ihre Veranstaltung geschrieben haben.
Als ich im vergangenen Jahr erstmals als Geistlicher und Vertreter der Katholischen Kirche
an diesem Tag der Heimat teilnahm, kam ich zugegebenermaßen sehr gespannt, aber auch
ein wenig kritisch-fragend hierher: Eine Zusammenkunft, ein Fest von Menschen, die in Reden
und Liedern, in Tänzen und anderen Darbietungen (nur) die Vergangenheit wach und lebendig
werden lassen, die (nur) zurückschauen und etwas beschwören, was es einfach nicht mehr gibt,
die eventuell nur politische Forderungen aufstellen nach dem Motto: Es muss wieder alles so
werden wie früher ?? Es gibt ja Menschen, die nur in eine Vergangenheitsheimat zurückwollen,
aber natürlich nicht können. Das nimmt Kraft, stimmt feindselig - bösartig und vergiftet die Ge-
genwart.
° Ich war positiv überrascht, als ich eine lebendige, frohe, sehr bunte und trotzdem harmonische
Gemeinschaft von Menschen erleben durfte, die in beeindruckender Weise ihre unterschied-
lichen und vielfältigen Traditionen aus der alten Heimat präsentierten, die aber spürbar auch in
ihrer jetzigen Heimat hier in Ingolstadt zu Hause sein wollen, die ihr Erbe erhalten, aber eben
auch ihre Zukunft gestalten wollen. Und ganz besonders meinte ich zu spüren, dass für Sie
Glaube und Religion nicht traditionelle, künstliche Zutaten Ihrer Feier sind, so wie die Schlagsahne
auf der Torte, sondern ein wesentlicher innerer Bestendteil, ja eine wichtige Deutungshilfe für
die Vergangenheit, für Ihr Erbe, aber auch eine Orientierungshilfe für die Zukunft.

° Der Philosoph Ernst Bloch hat das schöne Wort geprägt: „Heimat liegt dort, wo sich Menschen mit-
einander ein solidarisches Zuhause bauen und gemeinsam in die Zukunft gehen.“
„Miteinander ein solidarisches Zuhause bauen“: Heimat hat immer mit gemeinsamen Werten
zu tun, die wir erhalten und bewahren, die unseren Vorfahren geholfen haben, verantwortungs-
bewusst und sinnerfüllt zu leben. Heimat hat immer mit gemeinsamen Werten zu tun, die uns auch
heute und in Zukunft helfen, als Einzelne verantwortungsbewusst und sinnvoll zu leben, aber auch
gemeinsam unsere Gesellschaft in Gegenwart und Zukunft zu gestalten.
° Oder anders gesagt: Es geht vor allem um eine innere Heimat, um ein Daheimsein und Verwurzelt-
Sein in der Welt tragender, hilfreicher Werte. Und zwar für uns als Einzelne und für uns als Gemein-
schaft. Und darum gehört zu diesem Tag der Heimat auch die religiöse Dimension. Ich möchte Ih-
nen den heiligen Niklaus von Flüe, den Bruder Klaus aus der Schweiz, vor Augen stellen. Er hat da-
mals im 15. Jahrhundert sehr viel für die Einheit und den Frieden in seiner Heimat, der Schweiz, ge-
wirkt. Bis heute gilt er als der große Patron seines Landes und seiner Heimat. Niklaus von Flüe hat
uns das wunderschöne Wort geschenkt: „Heimat und Friede ist allweg in Gott“.
° Und P. Alfred Delp SJ, der Jesuit, der für sein christliches Lebenszeugnis in der Zeit der national-
sozialistischen Schreckensherrschaft in Deutschland in den Tod gegangen ist, sagt es auf seine
Weise: „Eine Heimat, die wir mit aller Macht festhalten wollen und die uns festhalten will, darf
es nicht geben. Wir sind Fahrende Gottes und wir müssen dort zu Hause sein, wo Gott ist und wir
müssen dort mehr zu Hause sein, wo Gott intensiver gegenwärtig ist.“
° Meine lieben Freunde hier am Tag der Heimat: Ich freue mich darauf, dass wir in wenigen Minu-
ten – begleitet und gestützt von unserer modernen, jugendlichen (!) Bigband – gemeinsam das Lied
singen dürfen: „Großer Gott, wir loben dich…“
Besser können wir kaum zum Ausdruck bringen,
wo unsere eigentliche Heimat ist,
worin das Erbe besteht, das wir erhalten möchten,
und wo die eigentliche Zukunft liegt, die wir gemeinsam gestalten wollen.

Klaus Schimmöller

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Aktualisiert 19.03.2014
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